Welche Krankheiten kann man beim Sex bekommen?

📅 2026-01-24 🏷️ Gesundheit, Aufklärung, STI, Schutz, Krankheiten

Sex ist wunderbar, aber er birgt Risiken. Sexuell übertragbare Krankheiten (STI) sind real, aber meist gut behandelbar. Hier erfährst du, was du wirklich wissen musst, um dich zu schützen.

Die Realität: STI sind häufiger als du denkst

Über 1 Million Menschen infizieren sich täglich weltweit mit einer sexuell übertragbaren Krankheit. In Deutschland sind etwa 600.000 Menschen von einer STI betroffen – die Dunkelziffer ist viel höher.

Die gute Nachricht: Die meisten STI sind heilbar oder behandelbar. Mit dem richtigen Wissen und Schutz kannst du Sex sicher genießen.

Die häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten

1. Chlamydien

Die häufigste bakterielle STI – besonders bei jungen Menschen.

  • Übertragung: Vaginal, anal, oral, selten durch Schmierinfektion
  • Symptome: Oft keine! Bei Männern: Ausfluss, Brennen beim Wasserlassen. Bei Frauen: Ausfluss, Unterbauchschmerzen
  • Behandlung: Antibiotika – 100% heilbar
  • Folgen bei Nichtbehandlung: Unfruchtbarkeit bei beiden Geschlechtern

2. HPV (Humane Papillomviren)

Die häufigste virale STI – fast jeder sexuell aktive Mensch hat HPV.

  • Übertragung: Hautkontakt, auch mit Kondom möglich
  • Symptome: Meist keine. Manche Typen verursachen Genitalwarzen, andere Krebsvorstufen
  • Behandlung: Warzen können entfernt werden, Virus bleibt im Körper
  • Vorbeugung: HPV-Impfung schützt vor gefährlichsten Typen

3. Gonorrhö (Tripper)

Bakterielle Infektion – wieder auf dem Vormarsch.

  • Übertragung: Vaginal, anal, oral
  • Symptome: Männern: Eitriger Ausfluss, starkes Brennen. Frauen: Oft keine Symptome
  • Behandlung: Antibiotika (wird immer schwieriger durch Resistenzen)
  • Folgen: Unfruchtbarkeit, Gelenkentzündungen

4. Herpes Genitalis

Virale Infektion – lebenslang im Körper.

  • Übertragung: Hautkontakt, auch ohne sichtbare Symptome
  • Symptome: Schmerzhafte Bläschen, Juckreiz, Brennen
  • Behandlung: Virostatika lindern Symptome, heilen aber nicht
  • Verlauf: Rückfälle möglich, besonders bei Stress

5. Syphilis

Bakterielle Infektion – gefährlich, aber gut behandelbar.

  • Übertragung: Direkter Kontakt mit Geschwüren
  • Symptome: Stadium 1: Schmerzloses Geschwür. Stadium 2: Hautausschlag. Stadium 3: Organschäden
  • Behandlung: Penicillin – 100% heilbar in frühen Stadien
  • Folgen: Ohne Behandlung tödlich

6. Hepatitis B

Virale Leberentzündung – sehr ansteckend.

  • Übertragung: Blut, Sperma, Vaginalsekret
  • Symptome: Oft keine. Müdigkeit, Gelbsucht, Bauchschmerzen
  • Behandlung: Chronische Infektion möglich, Impfung verfügbar
  • Folgen: Leberzirrhose, Leberkrebs

7. HIV

Die gefährlichste STI – aber heute gut behandelbar.

  • Übertragung: Blut, Sperma, Vaginalsekret, Analverkehr am riskantesten
  • Symptome: Anfangs grippeähnlich, dann jahrelang keine
  • Behandlung: Medikamente halten Virus in Schach, normale Lebenserwartung
  • Vorbeugung: PrEP (HIV-Prophylaxe), Kondome, Therapie als Prävention

Seltene aber wichtige STI

Trichomonaden

  • Parasitäre Infektion – betrifft meist Frauen
  • Symptome: Schaumiger, übelriechender Ausfluss, Juckreiz
  • Behandlung: Antibiotika – heilbar

Mollusken

  • Virale Hauterkrankung – harmlos aber ansteckend
  • Symptome: Perlmuttfarbene Knötchen
  • Behandlung: Entfernung oder Abwarten

Lymphogranuloma venereum

  • Seltene Chlamydien-Variante – betrifft vor allem MSM
  • Symptome: Geschwüre, Schwellungen der Lymphknoten
  • Behandlung: Antibiotika

Symptome erkennen: Wann zum Arzt?

Warnsignale bei Männern

  • Ausfluss: Eitrig, klar, verfärbt
  • Brennen: Beim Wasserlassen oder am Penis
  • Juckreiz: Im Genitalbereich
  • Bläschen/Geschwüre: An Penis, Hoden, Anus
  • Hautveränderungen: Flecken, Warzen, Schuppung
  • Schwellungen: Hoden, Lymphknoten in der Leiste

Warnsignale bei Frauen

  • Ausfluss: Ungewöhnlich farbig, riechend, mengenmäßig anders
  • Brennen: Beim Wasserlassen oder in der Scheide
  • Juckreiz: Im Intimbereich
  • Schmerzen: Unterbauch, beim Sex
  • Blutungen: Außerhalb der Periode, nach dem Sex
  • Bläschen/Geschwüre: An Schamlippen, Scheide, Anus

Wann sofort zum Arzt?

  • Hohes Fieber: Über 38,5°C
  • Starke Schmerzen: Unterbauch, Hoden
  • Beschwerden beim Wasserlassen: Kann kaum gehen
  • Sichtbare Geschwüre: Besonders wenn sie schmerzen
  • Verdacht auf HIV: Nach riskantem Sex

Schutz und Vorbeugung: Wie du dich sicher schützt

Der beste Schutz: Kondome

  • Schutz vor: Chlamydien, Gonorrhö, Syphilis, HIV
  • Begrenzter Schutz: HPV, Herpes (durch Hautkontakt)
  • Richtige Anwendung: Von Anfang bis Ende, richtig Größe
  • Qualität: Nur geprüfte Marken verwenden

Weitere Schutzmaßnahmen

  • Impfungen: HPV, Hepatitis A/B
  • PrEP: HIV-Prophylaxe für Hochrisikogruppen
  • Regelmäßige Tests: Besonders bei häufigem Partnerwechsel
  • Offene Kommunikation: Über STI-Status sprechen

Verhaltensregeln

  • Partneranzahl begrenzen: Weniger Partner = geringeres Risiko
  • Safer Sex praktizieren: Auch bei oralen Sex Kondome/Dental Dams
  • Kein Sex unter Drogeneinfluss: Schlechtere Urteilskraft
  • Regelmäßige Selbstuntersuchung: Auf Veränderungen achten

Testen und Behandeln: Der medizinische Weg

Wo kann man sich testen lassen?

  • Hausarzt: Erste Anlaufstelle
  • Gynäkologe/Urologe: Spezialisten
  • Gesundheitsamt: Kostenlose und anonyme Tests
  • AIDS-Hilfe: HIV-Beratung und -test
  • Online-Tests: HIV-Selbsttests für zu Hause

Welche Tests werden gemacht?

  • Urintest: Chlamydien, Gonorrhö
  • Abstrich: Von Penis, Scheide, Anus, Rachen
  • Bluttest: HIV, Syphilis, Hepatitis
  • Zellabstrich: HPV-Test (besonders bei Frauen)

Wie oft sollte man testen?

  • Bei häufigem Partnerwechsel: Alle 3-6 Monate
  • Neuem Partner: Vor ungeschütztem Sex
  • Symptomen: Sofort bei Verdacht
  • Risikogruppen: MSM, Sexarbeiter regelmäßig

Die psychische Komponente: Umgang mit Diagnosen

Die erste Reaktion

  • Schock: "Ich kann das nicht glauben"
  • Scham: "Was werden andere denken?"
  • Angst: "Wie geht es weiter?"
  • Schuld: "Ich hätte vorsichtiger sein müssen"

Die Verarbeitung

  • Information suchen: Verlässliche Quellen nutzen
  • Professionelle Hilfe: Ärzte, Therapeuten, Beratungsstellen
  • Support-Gruppen: Andere Betroffene treffen
  • Offene Kommunikation: Mit Partnern, Freunden sprechen

Leben mit STI

  • Meist heilbar: Die meisten STI sind behandelbar
  • Chronisch aber behandelbar: HIV, Herpes, Hepatitis
  • Normales Leben möglich: Mit richtiger Behandlung
  • Verantwortung: Andere nicht infizieren

Mythen und Fakten: Was wirklich stimmt

Mythos 1: "Man sieht STI sofort"

Falsch. Viele STI haben keine Symptome oder zeigen sich erst nach Wochen/Monaten.

Mythos 2: "Nur Promiske bekommen STI"

Falsch. Einmal ungeschützter Sex kann reichen. Jeder kann betroffen sein.

Mythos 3: "Kondome schützen vor allem"

Falsch. Kondome schützen vor den meisten, aber nicht vor allen STI (HPV, Herpes).

Mythos 4: "STI sind immer schlimm"

Falsch. Die meisten STI sind gut behandelbar. Frühe Erkennung ist wichtig.

Mythos 5: "Man kann nicht zweimal dieselbe STI bekommen"

Falsch. Bakterielle STI kann man mehrmals bekommen. Virale STI bleiben im Körper.

Notfallmaßnahmen: Was bei Verdacht tun?

Bei möglichem Kontakt

  • Nicht panisch werden: Überlege ruhig
  • Partner informieren: Ehrlich und respektvoll
  • Abwarten oder testen: Je nach STI unterschiedliche Inkubationszeiten
  • Keinen Sex mehr: Bis Klarheit da ist

Post-Expositions-Prophylaxe (PEP)

  • Bei HIV-Verdacht: Innerhalb 72 Stunden zum Arzt
  • Medikamente: 28 Tage lang einnehmen
  • Erfolgsquote: Über 95% bei rechtzeitiger Anwendung
  • Nebenwirkungen: Möglich, aber erträglich

Fazit: Wissen schützt, Angst nicht

Sexuell übertragbare Krankheiten sind real, aber kein Grund auf Sex zu verzichten. Mit dem richtigen Wissen, Schutz und Verantwortungsbewusstsein kannst du ein erfülltes Sexleben führen.

Die wichtigsten Erkenntnisse:

  • Die meisten STI sind heilbar oder behandelbar
  • Viele Menschen haben keine Symptome – regelmäßiges Testen ist wichtig
  • Kondome sind der beste Schutz, aber nicht 100%ig
  • Offene Kommunikation und Ehrlichkeit sind entscheidend

Deine Verantwortung:

  1. Schütze dich und deine Partner
  2. Lass dich regelmäßig testen
  3. Sei ehrlich über deinen Status
  4. Suche bei Bedarf professionelle Hilfe

Sex ist schön und wichtig für das Leben. Mit dem richtigen Schutz kannst du ihn sicher genießen – ohne Angst und mit gutem Gewissen.